5… 4… 3… 2… 1… Loooooos!
Die XtraMile 2025 startet in ihre letzte Etappe: Der WoKiMen Classic Marathon durch den Parc de Tarbes in Altenkirchen. Wir starten mit insgesamt 43 Läuferinnen und Läufern. Alle bereit, auch in ihrer dritten Disziplin noch alles zu geben – oder als Neuankömmling diejenigen, die schon an den Vortagen für den guten Zweck gekämpft haben, darin zu unterstützen. Schon letztes Jahr haben wir beim Würzburger Marathon einige zusätzliche Läufer dabei gehabt und dadurch so gemerkt, wie sehr wir als gesamtes Team von der frischen Unterstützung profitieren! Die XtraMile ist natürlich schon von der Idee her einfach wirklich sehr, ja… extrem. Das ist ja irgendwo auch der ganze Grund dahinter, warum wir hier machen, was wir machen. Es ist so schon ein so krasses Wunder, dass wir überhaupt Jahr für Jahr wieder so viele bereitwillige Triathleten haben, die sich über mehrere Tage völlig verausgaben, um Spenden für Kinder und Jugendliche in Deutschland zu sammeln. Natürlich heißt das aber auch, dass nicht alle, die uns bei unserer Mission unterstützen wollen, alle Etappen mitmachen können. Daher ist der Marathon eine super Gelegenheit, auch für andere die XtraMile zu gehen.
Der Marathon startet um 10 Uhr morgens unter Getöse und Beifall aus allen Richtungen. Der Park ist kühl und den Boden nass vom Regen, das Terrain ungewiss, doch unsere Athleten lassen sich davon nicht einschüchtern. Sie haben 4 Runden durch den Park, über die Felder, durch ein benachbartes Dorf und einen Privatwald zu schaffen – alle möglichen Unterböden und viele Höhenmeter erwarten sie. Sie laufen und laufen, und nach nicht mal einer Stunde haben die meisten schon ihre erste Runde geschafft! Stück für Stück gehen auch die Läufer der 5K-, 10K-, und Halbmarathonläufe an den Start. Auch kürzere Distanzen für Kinder und Jugendliche sind dabei – sie kämpfen mindestens genauso hart wie die Großen und stürmen durch den Wald was das Zeug hält! Es ist wahrlich ein besonderer Anblick: so viele Menschen aus so vielen verschiedenen Alters- und Distanzgruppen laufen alle gemeinsam – und so viele unter ihnen nicht bloß für den Erfolg eines abgeschlossenen Laufs, sondern für etwas viel Größeres.
Ich hatte dieses Jahr die Ehre, einen der verletzten Sportler bei seinem Halbmarathon vertreten zu dürfen. Schon die letzten Jahre bin ich meistens als Teil des Medienteams einige Kilometer mitgerannt, das allerdings immer eher unabsichtlich, um mit dem Handy dabei zu filmen oder die Läufer für eine kurze Strecke zu begleiten und anzufeuern. Besonders im letzten Jahr war ich ab einem Punkt so vom Adrenalin und der gewaltigen Stimmung unseres großen Teams gepackt, dass ich gar nicht gemerkt habe, wie viel ich am Ende doch mitgelaufen bin.
Dieses Jahr war es jedoch etwas anders: aus der Erkenntnis der letzten Jahre habe ich tatsächlich meine Laufschuhe mitgebracht – für alle Fälle, falls ich wieder ein bisschen nebenherlaufen sollte. Dass ich am Ende doch einen ganzen Halbmarathon laufen würde, hatte ich so gar nicht eingeplant, und dementsprechend auch nicht dafür trainiert. „Aaach, ich bin doch ein sportlicher Typ, so schwer kann das schon nicht werden“, dachte ich mir. PAH! Jetzt im Nachhinein kann ich beichten, dass ich fast eine Woche nach dem Marathon immer noch kaum Treppen raufgekommen bin und die Renter und Rentnerinnen, die sich mit aller größter Mühe über den Bürgersteig hieven im Vergleich zu mir immer noch wie Usain Bolt aussahen.
Während des Halbmarathons bin ich nicht nur die Kilometer, sondern auch so einige Emotionen durchlaufen: vom euphorischen gemeinsamen Start als große Gruppe, über die liebevolle Erinnerung meines alternden Körpers an mein lang vergessenes Asthma, über das peinliche Eingestehen einer ersten Seitenstechen-Pause und dem Anblick meiner davonlaufenden Gruppe, über krampfende Waden, erschreckende Mengen an Traubenzucker, einem Verpassen der Streckenmarkierung und einer kleinen XtraRunde durch das nächste Dorf bis hin zu dem wahrscheinlich spätesten Einlauf ins Ziel in der ganzen Halbmarathon-Geschichte. Ihr merkt schon: keine glorreiche Geschichte. Aber dennoch war sie für mich eine wertvolle Erfahrung und Erinnerung daran, wofür wir die XtraMile machen, und dass wir dabei nicht alleine sind. Zugegeben, an einigen Stellen der Strecke wäre ich am liebsten umgekehrt oder hätte aufgegeben – dagegen hat schon auch sehr geholfen, dass ich wortwörtlich mitten im Wald war und keine andere Wahl hatte, als der Strecke zu folgen um zurückzukommen – aber ich wusste auch auf der gesamten Strecke, wofür ich mich hier durchquäle.
Bei der XtraMile geht es nicht um Bestzeiten, es geht nicht um neue Rekorde, um sportliche Höchstleistung oder die krassesten Etappen. Es geht um die Gemeinschaft, den Team-Spirit, den Glauben an das Gute. Den Willen, für seine Mitmenschen einzustehen und dafür zu kämpfen, dass es deinem Nächsten heute besser gehen kann als gestern. Und ich glaube, das zu wissen und so ein großes Team und einen guten Gott dabei auf seiner Seite stehen zu haben, ist alles was es braucht. Mit dieser Unterstützung könnte man sogar bis ans Ende der Welt laufen, denn man läuft nicht alleine.